Aus dem Emmental
Zur Zeit, als es um die eisenbahntechnische Erschliessung der Nebentäler in der Schweiz ging, sollten auch die Talschaften im Emmental an die Moderne angeschlossen werden. Mehrere Bahngesellschaften wurden um 1890 gegründet, eine davon war die Huttwil-Wolhusen-Bahn (HWB), welche 1895 ihren Betrieb aufnahm. Die zwei ersten Dreikuppler mit den Nr. 6 und 7 waren aus dem damals verbreiteten E 3/3 Rangiertyp der Jura-Simplon-Bahn (JS) entwickelt worden. Schon wenig später musste eine dritte, etwas leistungsfähigere Lok, die Nr. 8 angeschafft werden.

Die Nummer 8
Im Unterschied zu ihren beiden Vorgängerinnen erhielt die Nr. 8 einen grösseren Kessel mit 12 bar Betriebsdruck. Der Schweizer Dampflokkenner Alfred Moser bezeichnet sie als Übergangstyp, welche zwar bereits die Masse der sehr ähnlichen NOB-Loktypen aufwies, jedoch noch die lange Ausführung der Walschaertssteuerung hatte. Ganz ähnliche Typen wurden auch auf der UeBB, der SiTB, der GTB und der OeBB verwendet.

Werklok bei Von Roll
Obwohl die HWB erst 1945 elektrifiziert wurde, musste die Nr. 8 wegen gestiegener Zugslasten bereits 1930 ersetzt und verkauft werden. Wie zahlreiche andere kleinere Dampfloks hat auch dieses Maschinchen bei der Giesserei Von Roll ein neues Einsatzgebiet gefunden. Im Werk Choindez (zwischen Moutier und Delémont) übernahm sie mit der Nr. 12 versehen fortan die Rangierarbeiten. In dieser Zeit wurde leider auch die Luftbremse samt Druckluftpumpe ausgebaut. Dafür erhielt die Lok einen Turbodynamo mit elektrischer Beleuchtung. Erst 1984 wurde sie definitiv durch Dieselloks ersetzt und konnte als Reservelok remisiert werden.

Letzte Einsätze
Zum letzten Mal unter Dampf stand die Nr. 12 vermutlich im Jahr 1992. Anlässlich von Publikumsfahrten der CJ (Chemin de fer du Jura) verkehrte sie im Mai auf dem Abschnitt Pruntrut - Alle. Bilder vom Oktober desselben Jahres zeigen sie auch im Rangierdienst in Choindez. Dann blieb sie leider während Jahren nicht nur in Choindez, sondern auch In Delémont ohne Schutz abgestellt. Im Jahr 2000 kaufte sie die La Traction SA in der Meinung, neben ihrem Schmalspurbetrieb auf der CJ auch Normalspurbetrieb in der Region Pruntrut anzubieten. Dies unterblieb, da der Schmalspurbetrieb mehr als genug zu tun gab und gibt.

Abgabe an den VVT
Da die Lok jahrelang im Regen stand, erkundigte sich der VVT im Sommer 2008 nach den Absichten mit dieser Lok. Sehr schnell zeigte sich die La Traction SA bereit, die Lok dem VVT zu schenken, dies unter der Bedingung, dass auch die E 2/2 Nr. 9 (ex Von Roll) als Leihgabe ebenfalls übernommen wird. Am 1. November konnten dann beide Loks ohne Probleme ins Val de Travers überführt werden.

Eine Bildersammlung von der Überfuhr vom 1.11.2008 findet sich hier.

Anlässlich der Vorbereitungen für die Überfuhr präsentiert sich die E 3/3 ex Von Roll Nr. 12 neben der Rotonde in Delémont. (1.11.2008 - Photo Pablo Hoya)
Erbauer
SLM Winterthur
Baujahr
1898
Fabriknummer
1088
Dienstgewicht
29 t (auf SLM-Originalplänen 27 t)
Länge über Puffer
7,44 m
Höchstgeschwindigkeit
40 km/h
Kesseldruck
12 bar
Leistung
ca. 300 PS
Rostfläche
0,9 m2
Triebraddruchmesser
1.01 m
Vorräte
3,12 m3 Wasser / 1 t Kohle
Die E 3/3 ex Huttwil-Wolhusen-Bahn Nr. 8 vor der Rechteck-Remise in Delémont. (17.6.2008 - Photo UH)
Seitenansicht der Lok. (17.6.2008 - Photo UH)
Die Nr. 8 im letzten Betriebsjahr bei der HWB - hier auf der Drehscheibe in Huttwil. (um 1930 - Photo Staatsarchiv Bern)
Ein zweites historisches Photo zeigt die Lok in Eriswil. (um 1930 - Photo Staatsarchiv Bern)